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Richard David Precht hat das zweifelhafte Privileg, das Fundament gelegt zu haben für eine pseudointellektuelle Position zum Krieg Rußlands gegen die Ukraine, welche die Unterstützer des ukrainischen Kampfs um Selbständigkeit und Souveränität zu moralischen Tätern macht, die letztlich schuld sind am Leid und Elend der nicht nur zivilen ukrainischen Bevölkerung.

Precht sagte: „Natürlich hat die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung, aber auch die Pflicht zur Klugheit, einzusehen, wann man sich ergeben muss.“

Und wann diese Einsicht greifen muß, definieren seitdem diejenigen, die sich wohl als intellektuelle Speerspitze Deutschlands sehen.

Im oben genannten Offenen Brief der Emma-Redaktion (https://www.change.org/p/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz) heißt es:

“Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis.”

Was hier unerträglich ist und was nicht, sollte man die Menschen fragen, die von dieser Katastrophe betroffen sind. Ich habe den Verdacht, daß wir es in dieser Beurteilung mal wieder mit deutschem Paternalismus zu tun haben. Es sind deutsche mehr oder weniger Prominente, mehr oder weniger Intellektuelle, die sich hier anmaßen, den Ukrainern zu diktieren, wo die moralische Grenze ihrer Selbstverteidigung zu ziehen ist.

Perfide ist dabei der folgende Abschnitt:

“Und zum andern, dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren „Kosten“ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.”

Hier wird bewußt aufgespalten in die ukrainische Zivilbevölkerung und ihre Regierung, besser könnte selbst Putin nicht argumentieren! Und wieder ist dieser Pseudointellektuellenclub derjenige, der definiert, was die moralisch verbindlichen Normen sind!

Auch der davor stehende Satz

“Zum einen, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern.”

ist völlig absurd:

  1. Verantwortung hat man, oder man hat sie nicht. Daß sie jemanden angeht, ist eine Formulierung, die ich in einem klaren, vernünftigen Text noch  nie gelesen habe.
  2. Die Gefahr der Eskalation liegt nach diesem Denken also auch darin, daß man einem Aggressor mit angemessenen Mitteln gegenübertritt. Hat der Verbrecher Putin ein Motiv gebraucht, um die Ukraine zu überfallen? Nein, natürlich nicht! Alles, was er dazu brauchte, war sein Plan, es zu tun. Niemand hat ihm ein Argument für diesen Überfall gegeben. Und wenn er morgen Deutschlands Wirtschaftssanktionen als kriegerischen Akt betrachtet, dann tut er es eben und wird Putinsche Konsequenzen ziehen. Sollen wir deswegen jetzt unsere Unterstützung der Ukraine einstellen? Was für eine perfide Logik ist das?

Für mich ist eine Grenze des Erträglichen erreicht, wenn ich solche Texte wie diesen Offenen Brief lesen muß. Und ich bin entsetzt, daß selbst der von mir bisher hochgeschätzte Harald Welzer hier mit unterschrieben hat. Dieser Offene Brief hat keinerlei intellektuelle Qualität, keinerlei Scharfsinn oder kenntnisreiche Analyse. Nichts, aber auch absolut nichts davon! Herzliches Beileid an die, die auf diese Weise ihr Scheitern als Intellektuelle öffentlich machen!

Es existieren meines Wissens zur Zeit zwei Gegen-Petitionen, die man befördern und unterschreiben kann, um dem Emma-Standpunkt entgegenzutreten und seine Meinung deutlich zu machen:

https://www.change.org/GEGENPOSITION_zum_Emma-Brief

https://chng.it/KrPT5ntPw2