Warum Sie nicht nur in Corona-Zeiten aufhören sollten, Windows zu benutzen, und sich stattdessen mit Linux anfreunden sollten!

Der erste Grund ist: Wenn nicht jetzt, wann dann? Viele Menschen sitzen (im November 2020) zu Hause herum und wissen nichts mit sich anzufangen, warum nicht die Zeit nutzen und etwas Neues lernen? Aber ernsthaft: Neue Wege zu erkunden, ist immer gut und hält jung. Aber es gibt auch sehr konkrete Gründe für die von mir gewählte Überschrift, und ich gebe ein Beispiel:

Ich gehe davon aus, daß Sie Windows verwenden. Lassen Sie mich raten, mit welchem Programm Sie Ihre E-Mails (ja, das war dieses Nachrichtenübermittlungssystem vor der großflächigen Einführung von WhatsApp und Telegram und anderen instant messenger services) bearbeiten. Grübel, grübel und studier’… Ich komm’ nicht drauf… Jetzt: 😱 Outlook, richtig?

Haben Sie’s bezahlt? Oder raubkopiert? Oder, naja, so halblegal mit irgendeinem Schlüssel aus dem Internet freigeschaltet?

Aber das nur am Rande: Die Tatsache, daß Sie für die meiste Software, die Sie unter Linux/FreeBSD* (Erklärung am Ende des Texts) verwenden können, keinen Penny bezahlen müssen, und zwar ganz legal, ist nur ein Aspekt. Ich will auf etwas anderes hinaus:

Bis Sie Ihre E-Mailaccounts in Ihrem Outlook-Profil eingerichtet hatten, haben Sie schon Zeit investiert, oder? Und dann hatten Sie erst einmal einen ersten Rechner, den Sie für Ihre Mailkommunikation nutzen konnten. Dann kam aber der Rechner im Büro dazu, dann der im Hobbyzimmer und immer so weiter…

Haben Sie dann jedesmal ein Outlook-Profil von Grund auf neu erstellt?

Ich habe das immer und immer wieder gemacht, denn die Methoden, mit denen man das angeblich vermeiden kann, haben sich über die Jahre immer wieder geändert, und bei mir haben Sie praktisch nie ohne unangenehme Nebenwirkungen funktioniert. Da war es dann ganz einfach sinnvoller, den ganzen Kladderadatsch wieder von vorne einzutippen: Accountdaten, Serverdaten, Portnummern, Paßwörter usw. usf.

Tja, und wenn eine dieser Methoden, das Outlook-Profil auf einen anderen Rechner zu übertragen, mit einem zerschossenen Outlook geendet hat, dann dürfen Sie gerade mal de- und anschließend reinstallieren.

Ich habe nachgeschaut: Man findet so grandiose Tips wie den Export der einzelnen Kontodaten in pst-Dateien. Na toll, da wäre ich ja nie drauf gekommen. Dann haben Sie zwar einen Abklatsch der Mails, aber kein funktionierendes Postfach. Was soll so ein Hinweis?

Falls wir uns hier mißverstehen: Ich habe nicht einen E-Mailaccount bei meinem Internet-Access-Provider, sondern eine ganze Reihe Konten bei unterschiedlichen Systemen und Anbietern. Wer nur einen Account hat, und den sinnvollerweise mit dem IMAP-Protokoll betreibt, der ist natürlich fein raus und hat beim Umzug von einem auf einen anderen Rechner keine nennenswerte Arbeit. Wenn Sie aber viele Konten haben, darunter dann noch ein paar mit Zweifaktorauthentifizierung, wird’s lustig.

Genug von Windows, gehen wir zu Linux:

Unter Linux können Sie einen Mailclient wie bspw. Thunderbird benutzen. Thunderbird hat ein Verzeichnis, in dem es seinen Maschinenraum hostet, soll heißen: Die ganzen Dateien, die es zum Betrieb braucht, zuallererst die Datei thunderbird.

Aber es gibt im Home-Directory des Anwenders ein Verzeichnis .thunderbird (solche Dateien mit einem Punkt vornedran sind auf Linux/FreeBSD-Systemen versteckte Dateien bzw. Verzeichnisse), in dem sozusagen die Verwaltungsetage zu Hause ist. In diesem Verzeichnis liegen alle Ihre persönlichen Daten, alles über Ihre Accounts, Ihre Einstellungen, Ihre Mails etc. pp.

Wenn Sie jetzt sagen, supi, das ist ja übersichtlich, dann lege ich mir doch gleich noch einen zweiten Linux-Rechner an, dann können Sie dieses Verzeichnis nehmen und einfach umkopieren! Fertig!

(Ich habe das gerade beim Redigieren des Textes getan! Und es funktioniert! Ich mußte lediglich einmal auf den Server kopieren, und dann vom Server korrekt auf den neuen Client kopieren, dann zeigte Thunderbird auf dem neuen Rechner meine ganzen Accounts genauso an wie auf der ersten Maschine. So einfach kann das Leben sein!)

Machen Sie das mal mit Windows!

Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: Ich will nicht sagen, der Maschinenraum von Linux/FreeBSD sei simpel und übersichtlich, nein, man muß eine Menge lernen und Erfahrung sammeln, bis man sich darin zurechtfindet. Aber auf Linux/FreeBSD-Systemen ist alles eine Datei, die ich ggf. kopieren, überschreiben oder einfach nur editieren kann. Gut, natürlich keine kompilierte Binärdatei, das ist ja klar. Wer aber mal vor einem Windows-Rechner gesessen hat, auf dem eine bösartige Adware die Browserkonfiguration gekapert hat, dann verzweifelt versucht hat, das zu reparieren und das nach stundenlangen Recherchen (und dabei womöglich mit Einfangen neuer Malware) gesteckt hat und begonnen hat, sich geistig-moralisch auf die Neuinstallation von Windows vorzubereiten, der weiß, wovon ich rede! Wer ist in der Lage, die Folgen eines solchen Angriffs z. B. mit ihren Auswirkungen auf die Registry zu beheben und das System so zu reparieren, daß es danach wieder läuft wie vorher? Ja, ich weiß: Ich habe das schon hinbekommen, indem ich mit Werkzeugen aus der SysInternals-Box einzelne Komponenten der Schadsoftware identifizieren und beseitigen konnte, Schwein gehabt! Aber ich hatte auch einen Fall, in dem ich das System in die Tonne treten mußte, sprich: Rechner plattgemacht, alles von vorne eingerichtet.

Womit wir beim nächsten Punkt wären: Man kann jedes System bösartig hacken (ich sage bösartig, weil hacken per se keine böse Tat ist, im Gegenteil), aber kein System ist so anfällig und so gefährdet wie Windows, und das gilt für die Desktop- genauso wie für die Serverversionen. Allein aus dem Grund sollte man sich überlegen, ob man nicht wenigstens einen Linux-Rechner haben sollte für die Shoppingtouren im Web.

Kurzum: Wer sich als normaler Anwender, und hier meine ich mit normal Menschen, die

  1. nicht programmieren,
  2. keine IT-Sicherheitsberater sind oder ähnliches,
  3. die den PC als Alltagswerkzeug benutzen, das einfach die paar Sachen machen soll, die man täglich so braucht (drucken, surfen, Bilder anschauen, Messenger-Dienste benutzen…),

einen Gefallen tun will, der sollte die gefährlichen Dinge auf einem Linux-Rechner machen, das ist nicht schwieriger als unter Windows, es sieht nur ein bißchen anders aus. Dann nimmt er sozusagen den Windows-Rechner aus der Gefahrenzone und lernt nebenher, ein wenig mit Linux zu spielen (hier lasse ich FreeBSD mal weg, denn in aller Regel werden moderne Linux-Distributionen wie z. B. Ubuntu vom Start weg auch mit etwas ungewöhnlicherer Hardware fertig und können die Installation praktisch ohne Zutun des Nutzers erfolgreich durchführen).

In diesem Sinne: Viel Spaß beim neuen Hobby 😜😜😜 ‼

___

*) Ich schreibe Linux/FreeBSD, weil es unfair wäre, im gegebenen Zusammenhang nur von Linux oder nur von FreeBSD zu reden, aber beide zusammen stellen die heutige Unix-Welt dar, was eigentlich auch schon wieder falsch ist, weil Unix ja ein Markenname von ATT ist (oder war, wie auch immer).